Der „Energie-Ballon“

Frisch getauft: Der „Energie-Ballon“ stürmt ab sofort den Himmel über dem Sauerland - unter der Regie des Ballon-Teams „Mescheder Himmelsstürmer“.

Ballon-Taufe

„Glück ab und gut Land“: Peter Cosack, Aufsichtsratsvorsitzender der HE, nahm gemeinsam mit HE-Geschäftsführer Christoph Rosenau und Ballonpilot Andreas Rohleder (v.li.) die Taufe des „Energie-Ballons“ vor. Bildnachweis: HochsauerlandEnergie GmbH

Meschede/Bestwig/Olsberg. Es ist schon etwas ganz Besonderes, wenn sich das riesige und eigentlich doch so leichte Gebilde erstmals zu seiner vollen Größe von rund 25 Metern entfaltet, Konturen gewinnt  und sich schließlich in die Lüfte über dem Sauerland erhebt: Eine Ballontaufe ist ein außergewöhnliches Ereignis im Leben eines „Ballöners“, wie die Menschen genannt werden, die ihre Fortbewegung über der Erde rund 3.000 Kubikmetern heißer Luft anvertrauen. Ein solches Ereignis steht jetzt für Andreas Rohleder und Annette Gockel an. Sie bilden den Kern des Ballonteams „Mescheder Himmelsstürmer“.

Und um den Himmel stürmen zu können, braucht es rund 120 Kilo Ballonseide, einen Korb, rund 80 Kilo Gas und zwei 3.000 PS starke Brenner. „Rund 15 bis 20 Jahre ist so ein Ballon in der Luft“, weiß Andreas Rohleder. Deshalb „kribbelt“ es auch, wenn eine neue Ballonhülle erstmals zum Einsatz kommt. Andreas Rohleders und Annette Gockels „Neuer“ ist weiß, rot und mit dem übergroßen Logo des heimischen Kommunalunternehmens HochsauerlandEnergie versehen. In den Mescheder Henneauen wurde der „Energie-Ballon“ jetzt offiziell seiner Bestimmung übergeben. „Man ist richtig kribbelig, dass es endlich losgeht“, freut sich Annette Gockel. Sie hat gemeinsam mit Andreas Rohleder die neue Ballonhülle der „Himmelsstürmer“ auch selbst entworfen. 24 riesige Stoffbahnen, unterbrochen von 16 so genannten „Ripstoppern“, die im „Fall des Falles“ verhindern sollen, dass sich Löcher in der Ballonhülle auf gefährliche Ausmaße vergrößern können - das Ganze nimmt die Ausmaße eines sechsstöckigen Gebäudes an, bevor die Fahrt endlich starten kann.

Schon vor vielen Jahren hatte Andreas Rohleder und Annette Gockel das „Ballon-Virus“ gepackt. Doch mit der Faszination für ein außergewöhnliches Hobby sind jede Menge Wissen und Vorbereitung verbunden. Schon Tage vor einer geplanten Fahrt prüfe man die Wetterprognosen, berichtet Andreas Rohleder. Wie sieht es mit dem Wind aus, in welcher Höhe wird welche Windstärke erreicht? - Dass der Wind das eigentliche Fortbewegungsmittel sei, unterscheide das Ballon Fahren von allen anderen Luftsportarten, so der Pilot: „Ich weiß, wo ich starte - aber ich kann nie zu 100 Prozent sagen, wo ich lande.“ Keine Fahrt sei deshalb wie die andere.

Die Kunst des Ballonpiloten ist es deshalb, die Kenntnis des Windes so zu verfeinern, dass man mit Wetter, seinen Gasvorräten und der zur Verfügung stehenden Zeit den „Riesen der Lüfte“ wieder sicher auf den Boden bringt. Gerade im Sauerland sei dies mitunter kein einfaches Unterfangen, erläutert Andreas Rohleder. Wälder, Seen, aber auch Straßen, Zäune und Hochspannungsleitungen sind Hindernisse, zu denen es Abstand zu halten gilt: „Sicherheit hat immer Vorrang“, so der Pilot. Wie bei allen anderen Verkehrsteilnehmern auch gelte es, niemals die Verantwortung zu vergessen: „Es sind immerhin drei Tonnen Luft, die wir mit einem Ballon bewegen.“

Und noch etwas anderes mache den Ballonsport aus, ergänzt Annette Gockel: Die Begegnung mit Menschen. Wie für die „Ballöner“ selbst ist auch für die Passagiere eine Ballonfahrt immer etwas Außergewöhnliches. Vom „stillen Genießer“ bis zum Heiratsantrag per riesigem Banner, das auf einem Feld ausgerollt wird, gebe es jede Menge Erlebnisse, so die Meschederin: „Im Ballon erlebt man tolle Momente - auch durch die Mitfahrer.“ Deshalb veranstalten die „Himmelsstürmer“ traditionell immer eine kleine „Landeparty“ - mit Fingerfood, einem Getränk und der berühmt-berüchtigten Ballontaufe. Wer an solchen Erlebnissen teilhaben möchte: Das Team „Mescheder Himmelsstürmer“ freut sich immer über Verstärkung und interessierte Helfer.

Es sei deshalb immer eine enge und durchaus auch emotionale Bindung, die ein Team zu seinem Ballon aufbaue. Rund 18 Jahre lang waren die „Himmelsstürmer“ mit einem tiefblauen „Riesen der Lüfte“ unterwegs, bis die Ballonhülle den Weg alles Irdischen gehen musste. „Der Blaue“, so hieß der Ballon, der für lange Zeit Markenzeichen seines Teams war. Und nun? Folgt auf den „Blauen“ nun „Der Weiße“? Annette Gockel schmunzelt: „Jetzt ist es der ,Energie-Ballon‘.“